Sollte sie ihm wirklich öffnen?
Sie ist gerade noch fertig geworden.
Das Hotelzimmer ist aufgeräumt, fast zu ordentlich, als könnte sie damit ihre Aufregung unter Kontrolle bringen. Auf dem kleinen Tisch stehen zwei Gläser, eine geöffnete Flasche Wasser, ein paar Kleinigkeiten, die sie ohne großen Plan bereitgestellt hat – nur damit es nicht so wirkt, als hätte sie einfach bloß gewartet.
Dabei hat sie genau das getan.
Gewartet.
Auf diesen Moment. Auf acht Uhr. Auf das Klopfen.
Und jetzt ist es da.
Nicht laut. Nur zweimal. Ruhig. Sicher. So, als gäbe es keinen Grund zur Unsicherheit – obwohl ihr Herz gerade so heftig schlägt, dass sie fast meint, er müsse es durch die Tür hören können.
Sie bleibt einen Augenblick stehen und schaut zur Tür, als könnte sie damit die Zeit anhalten. Sollte sie es wirklich tun? Nicht nur die Tür öffnen. Sondern ihn hereinlassen. In dieses Zimmer. In diesen Abend. In diese Version von sich, die sie bisher nur in Gedanken zugelassen hat.
Sie geht langsam zur Tür. Mit jedem Schritt wird ihr bewusster, wie nackt sie sich fühlt, obwohl sie angezogen ist. Wie viel von ihrer Erwartung schon in der Luft liegt. Wie sehr sie wissen will, wie er sie ansehen wird, sobald er vor ihr steht.
Als sie öffnet, ist Thomas genau so da, wie sie ihn sich gewünscht hat: ruhig, präsent, ohne Eile. Sein Blick bleibt an ihr hängen, einen Moment länger, als es nötig wäre. Und allein das reicht, um ihren Atem aus dem Takt zu bringen.
„Hallo“, sagt er leise.
Mehr nicht.
Aber als er einen Schritt näher kommt, legt sich seine Hand kurz an ihren unteren Rücken, ganz selbstverständlich, fast als wolle er nur an ihr vorbeigehen und eintreten.
Doch genau diese erste Berührung lässt ihr Herz noch einmal anders schlagen.
Und plötzlich ist die Tür offen – nicht nur die zum Zimmer.

